Die Burg Hohenstein

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Als Bund für Umwelt und Naturschutz sehen wir vom Ortsverband Hohenstein es als unsere Aufgabe an dazu beizutragen, daß dieses außergewöhnliche Kulturdenkmal in unserer Gemeinde, die Burgruine Hohenstein, erhalten wird, im Bewußtsein der Öffentlichkeit verankert bleibt und jedermann zugänglich ist. Zumal diese Ruine im Laufe der Zeit selbst zu einem schützenswerten Biotop besonderer Pflanzen und Tiere wurde. Beides, die Geschichte der Burg und die heutige Natur dort wollen wir Interessierten nahebringen.
Da die Burg Eigentum des Landes Hessen ist, müssen wir uns dabei nach den Vorgaben des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen in Wiesbaden richten. Wir bemühen uns darum Führungen ganzjährig durchführen zu können. Zur Zeit bestehen folgende Möglichkeiten sich über die Burg zu informieren:

Burgöffnung:

Die Burg Hohenstein ist von April bis Ende September täglich in der Zeit von 10:oo bis 18:oo Uhr geöffnet und für jedermann kostenlos auf eigene Gefahr zugänglich.
Für Öffnen, Schließen und Reinigen der Burg ist eine vom LBHI -- Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen – beauftragte Firma zuständig.
Auskünfte gibt auch das Bürgerbüro der Gemeinde Hohenstein: T. 06120 2920

Führungen in der Burgruine Hohenstein

Regelmäßige Führungen veranstaltet der BUND-Ortsverband Hohenstein e. V. (www.bund- hohenstein.de). Sie finden von April bis September jeweils am 1. Sonntag im Monat um 11:ooUhr statt. Treffpunkt ist vor dem Burgtor. Sie dauern mindestens eine, bei Bedarf zwei Stunden. Von berufstätigen Erwachsenen wird dafür eine Spende von 5,- € pro Person erwartet.

Extraführungen an anderen Tagen innerhalb der Öffnungszeiten können jederzeit vereinbart werden: Telefon 06120 1492 und E-Mail: werdie@gmx.net oder Tel. 06128 1221 und 0178 8442797.
Spätester Beginn: 16:ooUhr. Der Pauschalbetrag bis 5 Personen ist 25,-€.
Für Gruppenführungen ab 5 bis 22 Erwachsene können jederzeit Termine vereinbart werden. Gruppen über 12 Erwachsene können vorab Pauschalpreise vereinbaren. [Kinder, Jugendliche, Schüler, Studierende, Personen mit Minimaleinkommen (Hartz4) und Behinderte sind frei.] Die Führungen werden auch Schulen u.a. Kindergruppen, der VHS, Touristen und Veranstaltern angeboten.

Die Führungen
beinhalten die anschauliche Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Burg Hohenstein z.B. anhand der Stiche von 1605 des Baumeisters Dillich und die Beschreibung der heutigen Ruine unter Berücksichtigung der Geologie und der dort lebenden Flora und Fauna. Sie werden von sachkundigen BUND- Mitarbeitern durchgeführt.

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Zufahrt:
Die Ruine der Burg Hohenstein steht 100 m oberhalb der B54 im Ortsteil Burg-Hohenstein der Gemeinde Hohenstein bei Bad Schwalbach im Aartal zwischen Wiesbaden und Limburg. Parkplatz vor der Burg.

Burg3Ansicht der Burg Hohenstein um 1605. Gezeichnet von Baumeister Dillich

Kleiner Abriß der Geschichte der Burg Hohenstein

Um 1185 erhalten die Grafen von Katzenelnbogen das Lehen der Burg Hohenstein vom Mainzer Erzbischof. Davor erbauten in der Stauferzeit die Mainzer Erzbischöfe die erste, kleine Burganlage. Die unterhalb Hohensteins gelegene Burg Greifenstein wurde vermutlich nach 1200 von Hohensteiner Burgmannen als Vorburg zur Burg Hohenstein errichtet. Auf dem davor tiefergelegenen Plateau, der sogenannten Winkelburg befand sich ein befestigter Gutshof als Versorger der Vorburg. Auf Winkelburg vermutet man auf Grund seiner ungewöhnlichen Lage über der Schleife des Aartals vorgeschichtliche oder keltische Reste. Diese Gegend war also immer schon anziehend. Hohenstein lag an einer strategisch wichtigen Stelle zwischen dem südlichen Erzbistum Mainz, westlichen Erzbistum Trier und der östlichen Grafschaft Nassau-Idstein in der Katzenelnbogener Grafschaft.
1185–1190:     Zeitraum der Belehnung der „Grafen von Katzenelnbogen und Hohenstein“ (Berthold II) mit der Vogtei St. Goar, also erste Erwähnung des Namens Hohenstein (nach F. Weckmüller).
1190:               Der Stamm auf dieser Katzenelnbogener Landes- und Schutzburg nennt sich Graf von Hohenstein.
1222:               Erste urkundliche Nennung der Burg Hohenstein („Hoynstein“).
1232+1233:    Erwähnung des Grafen Heinrich von Hohenstein.
1245:               Burg Rheinfels wird Hauptsitz aller Katzenelnbogener Linien, Hohenstein bleibt gemeinsamer Besitz aller Linien. Dort ist Hermann (1250), dann Boemund (1257–59) Truchseß. Hohenstein bleibt Amtssitz bis 1729.
1367:               Erste schriftliche Erwähnung eines Amtmanns auf Hohenstein.
1405:               Einzige Zerstörung der Burgen Hohenstein und Greifenstein durch gräflich Nassauische und/oder Mainzer Truppen des Erzbischofs. Anschließende Wiederinstandsetzung.
1419:               Ersterwähnung eines Kelners (Naturalienverwalter).
1420:               Ersterwähnung eines Landschreibers (Finanzverwalter).
1479:               Tod Philipps des Älteren, des letzten männlichen Katzenelnbogener. Seine Erbtochter Anna ist mit Landgraf Heinrich III. von Hessen verheiratet. Verfall der Burg Hohenstein.
1583:               Landgraf Philipp von Hessen-Cassel erneuert Hohenstein gründlich.
1600–04:         Landgraf Moritz (der Gelehrte) von Hessen-Kassel (1592–1627/32), restauriert und erweitert die Burganlage. Er läßt von Wilhelm Dilich 1605/7 Stiche der Burgansichten anfertigen.
Nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges wird die Burg 1619 erheblich verstärkt.
1620:               Zu dieser Zeit gehörten 42 Dörfer und 12 Höfe zum Amt Hohenstein.
1623/24:         Sächsische Reiter hausen in der Burg und beschädigen sie. Die in Ton- und hölzernen Rohren liegende Wasserleitung, die zum Laufbrunnen an der Vorburg und eventuell zum Waschhaus führte, wird unterbrochen.
1626:               Die Burg geht wegen eines Erbfolgestreits an Hessen-Darmstadt und ist unterbesetzt.
1627:               Holsteinische Truppen plündern und verwüsten die Burg Hohenstein. In den folgenden Jahren gab es weder Fenster noch Öfen, eine kleine Besatzung ohne funktionierende Waffen und zu viele schutzsuchende Bewohner umliegender Dörfer. Dann erfolgte erhebliche Verstärkung der Burg.
1639:               Bayerische Truppen bei der Nahrungseintreibung erscheinen vor der Burg, werden aber vertrieben.
1640:               Weimarische Truppen versuchen die Burg zu „überrumpeln“.
1647:               Im Mai, kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges erobert Amalie von Hessen-Cassel die Burg durch Generalmajor Karl Rabenhaupt von Sucha, der 2000 Mann und 6 Geschütze befehligte, zurück. Sie wird nach Beschuß von der Bergseite her übergeben, weil 3 Räume brannten. Die Annahme, sie sei zerstört worden, ist falsch. Das beweisen Inventarlisten des gleichen Jahres.
1648:               Hohenstein geht an Hessen-Rothenburg. Landgraf Ernst läßt sie teilweise wieder herstellen. Hohenstein wird Sitz eines Amtes mit einem Oberamtmann und Kellerei.) (Kelner = Naturalienverwalter).
1727:               „Amt Hohenstein“ zieht nach Langenschwalbach um. Zeit des Verfalls der Burgbauten durch (Regen-)Wasser, weil Dachreparaturen ausbleiben.
1729:               Teilwiederherstellung Hohensteins zum Stützpunkt einer Invalidenbesatzung und für Zinsgetreide.
1753:               Einsturz der Schloßtorbrücke über den Halsgraben. Aber erst
1781:               erfolgt Reparatur durch Übermauerung der Pfeiler und Pflasterung.
1769:               Blitzschlag zerstört das Dach des Hexen- (Mägde-)turms. 
1783:               In einer „Carte von der NiederGrafschaft Cazenelnbogen“ werden Hohen- und Greifenstein als Ruinen dargestellt.
1799:               Der pensionierte „Lieutenant Gippert“ wird zum (letzten) „Commandanten des Schloßes“ Hohenstein ernannt.
Im Folgenden: Verfall der Burg und Nutzung als Steinbruch.
1802:               Das Amtshaus droht abzustürzen.
1802 u. 1822:  Abbruchsversteigerungen
1815:               Die Burg geht an Preußen. Preußen tauscht Nassau
1816:               (mit Hohenstein) gegen Koblenz. Auflösung des Amtes.
1834:               Der letzte Bewohner verläßt die Burgruine.
1864:               Am 10. 3. stürzt die Nordoststützmauer des inneren Burghofes mit den Saalgebäuderuinen in die Tiefe.
1866:               Die Burg fällt wieder an Preußen.
1868:               Einrichtung der preußischen Provinz Hessen-Nassau.
1884:               Durch den Kurbetrieb in Bad Schwalbach und veröffentlichte Schriften von Dr. A. Genth und von R. Bonte ca.
1903:               wird das allgemeine Interesse an der Burgruine wieder geweckt.
1926:               fordert Paul Wagner in den Nassauischen Heimatblättern Heimatschutz und Denkmalpflege für die Ruinen.
1945:               Die Burgruinen gehen in das Eigentum des Bundeslandes Hessen über. Danach beginnen bald Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an der Ruine.
1968:               Einrichtung eines Hotel- und Gaststättenbetriebes (an der Stelle des Kuhstalls). Von 1980 bis 1990 wurden 3,5 Mio. DM für Unterhalt und Sanierung der Burg aufgewendet. Traditionell finden in jedem Sommer Theateraufführungen durch die Taunusbühne Bad Schwalbach im Innenhof der Kernburg statt.
2016:               Der Restaurant- und Hotelbetrieb wird wegen nicht durchgeführter Renovierungen geschlossen. Gleichzeitig wird der öffentliche Zugang in die Burg durch das Land Hessen verschlossen.
2017:               Von April bis Ende Oktober wurde der öffentliche Zugang wieder hergestellt.

Grundriß der Burg Hohenstein:
Dieser Grundriß entspricht dem Burgzustand um 1605.
Gezeichnet von Luthmer (1914) nach Dilich (1605)

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Als weiterführende Literatur wird das Sachbuch „Weinberger/Diederich: „Die Burg Hohenstein“, ISBN 978-3-9809113-7-5“ empfohlen.

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Sagen um die Burg Hohenstein

Um einige historische Personen der Katzenelnbogener Grafen auf Burg Hohenstein entwickelte sich eine Sage, die mit dem sagenumwobenen Barbarossa verknüpft wurde. Ein Brüderpaar gab es wirklich, von einem Brudermord ist aber nichts bekannt. Bevor ich die Sage frei nacherzähle, hier die bekannten geschichtlichen Fakten: Graf Berthold II. (1183–1217) regierte 1190–1217 auf Hohenstein. Er nahm 1204 am 4. Kreuzzug (1202–1204) teil und spielte eine bedeutende Rolle im Lateinischen Kaiserreich von Konstantinopel. Er war jahrelang politisch in Palästina, Kleinasien, Konstantinopel und Griechenland tätig. Diether III. (1190–1219) nannte sich zunächst Graf von Hohenstein, nach dem Tod seines Bruders aber „Graf von Cazzenellebogen et Hoynstein“. Graf Eberhard I. war Großneffe von Diether III. Er starb 1311. Mit ihm begann die jüngere Katzenelnbogenlinie, die vermutlich immer auf Hohenstein blieb. Beim Tode Friedrich Barbarossas war Hermann von Katzenelnbogen „zugegen“. Er war Onkel zu Berthold II. und Diether III. und Bischof von Münster sowie einer der engsten Vertrauten Kaiser Friedrich I (Barbarossa).
Aus diesen Figuren und einer schönen Maid wob das Volk 

die Sage von Gertrudis:

Rauhe Gesellen waren die Grafen von „Hoynstein“, auf der unbezwingbaren Burg über dem Aartal. Um die 800 Jahre ist es nun her, da herrschte auf der Burg Hohenstein der gestrenge Graf Eberhard. Er hatte zwei Söhne. Doch nur im älteren Sohn Berthold blühten die drei Hohensteiner Rosen ihres Wappens: Milde, Mitleid und Mut. Man sagt, daß er ein Träumer war, ein Dichter gar, der Lieder machte. Geringschätzend nannte sein Vater ihn einen Versemacher. Das focht ihn wenig an, denn er war einer der tapfersten seiner Krieger. So hatte er sich besonders im Kampf gegen die Nassau-Idsteiner hervorgetan. Die minneheischenden und edlen Frauen aber waren hingerissen von dem stattlichen und feinsinnigen Mann.
Der entzog sich jedoch lieber einer lärmenden Gesellschaft. In den Abenddämmerungen und lauen Sommernächten träumte er draußen vor sich hin und dichtete. Zu Gertrudis aus der Mühle im Tal zog es ihn oft unwiderstehlich hin. Dann eilte er den steilen Burgberg hinab an den beiden Vorburgen Greifenstein vorbei oder er nahm sein schnelles, trittfestes Roß, das den Pfad zum Mühlenweiher hinab schon kannte und die schmalen Stufen am unteren Ende nicht scheute. Dort im Tal an der Quelle und dem Mühlbach saßen die Mägde und wuschen die Wäsche. Unter ihnen stand des Herrenmüllers Töchterlein, die blonde Gertrudis. Schön war sie anzusehen, groß und von stolzer Anmut. Sie beugte nicht das Knie vor dem edlen Herrn, wie die Mägde. Aber die Augen schlug sie bald scheu nieder, denn man hatte es ihr zugetragen, daß nur ihr allein galten alle seine Lieder. Heimlich dann begegneten sie sich am Mühlenbach und bald gestanden sie einander ihre Liebe. Von da an immer öfter ritt der Grafensohn ins Aartal hinab zum verschwiegenen Stelldichein zwischen Bach und Mühlenweiher, wo die Fischlein sprangen vor dem Reiher.
Als er aber seinem Vater die Liebschaft gestand, wollte der von einer nicht standesgemäßen Bindung nichts wissen. So blieb sie eine Heimlichkeit, aber von der doch jeder wußte.
Mit den Jagdgesellschaften kam Berthold meist an der Herrenmühle vorbei, wenn sie durch die Aarfurt ritten, um in der gegenüberliegenden Holzhausener Waldgemarkung die Hundemeute auf Wildschwein und Hirsch zu hetzen. Dann stand Gertrudis hinterm Fenster und gab heimliche Zeichen. Kam er abends zurück unter den Letzten, bog er vom Wege ab zum Treffpunkt am Mühlenbach. Gertrudis war schon da. Des Baches Rauschen hielt sie lange wach. Er umfing sanft ihren Leib. Es hob sich ihr Mieder und leise sang er seine Lieder.
Sein Bruder Diether war von anderer Art. Er mochte als Herr das Befehlen. Was er begehrte, nahm er sich. Andere nannten es stehlen. Er war direkt und grad’ heraus. Er liebte keine Schnörkel. Er fiel gern mit der Tür ins Haus. Er trat sie ein und holte sich die Ferkel. Den vornehmen Bruder mochte er nicht sehr. Verse waren ihm zuwider. Die heimliche Liebe gönnte er ihm nicht mehr. Er wollte selbst der Müllersmaid ans pralle Mieder. Brüder sind sich oft in manchem gleich und mögen bald dasselbe „Gretchen“. So wurde auch Diether vor der hübschen Gertrudis weich und warf bald ein Auge auf das Müllermädchen. Forsch ritt er zur Mühle und machte sich ran, wie es heißt, mit „verderblichen Anträgen“. Bei Gertrudis kam er so nicht an. Sie verteidigte sich mit Handschlägen. Bald gestand sie dies zögernd ihrem Berthold ein, und in ihm wurde sein Grimm zur nagenden Pein.
Eines Tages kam Berthold, jagderhitzt mit der Ritterschar zurück mit frohen Gefühlen, in der Mühle sich zu erfrischen und abzukühlen. Dort überraschte er den verliebten Bruder und war empört, wie der sein Mädchen bedrängte: „Das ist unerhört!“ Der schrie zurück: „Verschwinde, was willst Du jetzt grad hier!? Sie gehört mir als Magd genau so, wie Dir!“ Es blitzte das Schwert zum Streite, zum heißen Kampf. Einer fiel und lag dann da in seinem Dampf. Der Boden war rot, der Bruder war tot, erschlagen. Es blieb ihnen nur, ihr Unglück zu beklagen.
Ach, welch ein Elend, alles war vertan. Zum allerletzten Mal sah er die geliebte Gertrudis an. Dann wandte sich Berthold zur Flucht in den Wald und war gänzlich verschwunden aus der Gegend bald. Er tat ab die Zeichen seiner Herkunft und seines Standes, streifte lange umher, fernab der Grenzen seines Landes. Dann trat er als einfacher Reitersmann in die Dienste des Kaisers Barbarossa und erwarb sich erneut Verdienste durch große Tapferkeit im Felde und beim Kreuzzug, so daß man ihn erneut zu einem Ritter schlug. Er war zugegen, als Kaiser Rotbart fand im Fluß Saleph den Tod. Auch der Kreuzzug brachte statt Erfolg nur Not. Jerusalem wurde durch sie nicht befreit. Doch allen, die im „heiligen Krieg“ gestritten, war der Papst bereit, den Ablaß vergangener Sünden zu gewähren. Auch Bertold sollte dazugehören, als könnte man Schuldlosigkeit einfach so verkünden.
Mit vielen Kämpfen und Abenteuern verging dann sein Leben. Doch der Sehnsucht nach der Heimat mußte er endlich nachgeben. Er kehrte zurück, denn die geliebte Gertrudis konnte er nicht vergessen. Schon war er im vertrauten Aartal. Dort am Mühlenbach hatten sie gesessen. Wiesenblumen erblühten wieder. Aber die alten Eichen rauschten ungewiß, als er bang die Herrenmühle betrat. Doch ganz fremd waren ihm die neuen Bewohner im Hause. Er drängte sie: „Erzählt mir von Gertrudis!“ Da entstand eine lange Pause. Dann sprachen sie zögernd, wie Gertrudis bald nach seiner Flucht der Welt den Rücken kehrte, weil sie sich zu sehr nach dem Geliebten verzehrte. Sie ging fort und trat für immer in ein Kloster ein. Das lag im Rheingau am schönen Rhein. Ach, sie hatte den Schleier genommen und sein Herz ward ihm beklommen. Da zog Herr Berthold seine Rüstung aus und warf Schwert und Schild daneben: „Ist mein Lieb’ im Kloster, so ist meine Reise jetzt aus und mein umherschweifendes Leben.“ Zu Fuß ging er an den Rhein hinab vor des Klosters Haus und ließ sich dort eine graue Büßerkutte geben.
Im nahen Wald baute er sich ein winziges Haus und verbrachte als nam’loser Einsiedler dort sein Leben. Für Gertrudis flocht er noch manchen Blumenstrauß und hat ihn an der Klosterpforte abgegeben. Aber ein Lied kam nie mehr über seine Lippen. Und bald brach sein Herz vor Sehnsucht. Seine Sträuße blieben aus.

Quellen:  Eschenauer, W., 1955, Bad Schwalbach
Bieler, W. (1998): Die Burg Greifenstein, unveröffentl. Manuskript, Hohenstein, 76 S.

Das war die traurige Mähr von Berthold und Gertrudis. Es gibt noch eine kleine, einfache Sage über die Entstehung Hohensteins, nämlich:

Wie es zu Oberdorf- und Tal-Hohenstein kam“.
Das Dorf Hohenstein hat kein anderer geschaffen oder vielmehr dahergebracht als der Teufel selbst. Er hatte es in einem Sack. Entweder hatte er den Sack mit seinem Feuer angesenkt oder er war zu prall gefüllt. Noch ehe er seine Last abladen konnte, riß der Sack auseinander. Ein Teil des Dorfes fiel ins Tal, der andere fand auf der Höhe Platz.

Nach Stückrath, Otto (1952): Dorfspott und Neckerei im Untertaunuskreis, Jahrbuch.

 

Auszug aus dem Buch: W. Diederich, „Hohensteiner Bilderbogen“, ISBN 978-3-9809113-3-7